FOTO WIEN

Otto Wagners Postsparkasse gilt als Inbegriff radikaler Erneuerung der Wiener Architektur um 1900. Die Verbindung von traditioneller „Baukunst“ und Ingenieurskonstruktion, die Synthese aus Funktionalität und Ästhetik zeichnet dieses Gebäude aus. Wagner gestaltete zudem die gesamte Inneneinrichtung, seine Thonetsessel und Hocker zählen zu den Höhepunkten des Wiener Möbeldesigns. Dieses kunsthistorisch wertvolle Inventar wurde mit Büromobiliar aus späteren Jahren im Raum unter der Kassenhalle, der ehemaligen Poststelle, zwischengelagert. Der Glasprismen-Fußboden des Kassensaals bildet dort die gläserne Decke. Von der oberen Ebene aus bleibt die Sicht nach unten jedoch opak.

Stefan Oláh hat diesen Raum mit seiner Großbildkamera aufgenommen – so wie er ihn vorgefunden hat. Das Vorhandene setzt er aber stets derart ins Bild, dass die Geschichte des Ortes verdichtet wird und eine eigene Spannung entsteht. Ob das Mobiliar immer noch da ist, lässt sich nicht sagen.

Ausstellungsdauer:

21.03. – 06.04.2019
Eröffnung: 20.03.2019, 20:00 Uhr

FOTO WIEN Festivalzentrale
Österreichische Postsparkasse
Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien

Mi bis So 14:00–20:00 Uhr
Eintritt frei

06.04.2019, 17:00 Uhr: Talk
Hin und Weg. Fragen der Architekturfotografie

Image Space

Die Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung hat 1997 von Lillian Kiesler über 3600 Arbeiten auf Papier aber vor allem an die  5500 Fotos und zahlreiche Dokumente und sekundäre Archivalien zum Leben und Werk Friedrich Kieslers erworben. Unter den Fotografien des Archivs befinden sich ebenso private Aufnahmen, Dokumente geselliger Runden im Kreis der Künstlerfreunde, im künstlerischen Schaffensprozess entstandene Bilder, Portraits gezielt eingesetzt zur Imagebildung Kieslers.

Kieslers Bedeutung als Schlüsselfigur der Avantgarde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt sich in der umfassenden Korrespondenz mit renommierten KünstlerInnen und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens wie etwa Marcel Duchamp, Piet Mondrian, Theo van Doesburg, Max Ernst, Hans Arp, Peggy Guggenheim u.v.a.

Die Erforschung des Raumes mit den Mitteln der Fotografie

Sieben zeitgenössische FotografInnen sind eingeladen den Raum fotografisch zu erkunden und Bezug zu den in der Friedrich Kiesler Stiftung vorhandenen Bilddokumenten aufzunehmen. Als Themen stehen wie in der Sammlung der Friedrich Kiesler Stiftung der soziale Raum, der architektonische Raum, der gesellschaftliche Raum, der landschaftliche Raum, der atmosphärische Raum, der repräsentative Raum sowie der der künstlerische Raum im Fokus der Ausstellung.

KünstlerInnen:

Marianne Greber, Sabine Hauswirth, Pez Hejduk, Matthias Klos, Stefan Oláh, Rupert Steiner, Didi Sattmann

Kurator: Peter Bogner

AUSSTELLUNG IN DER FRIEDRICH KIESLER STIFTUNG

ERÖFFNUNG: 12. MÄRZ 2019

LAUFZEIT: 13. MÄRZ – 3. MAI 2019

Buchpräsentation

Ein schier unerschöpflicher Erfindungsdrang zeichnet das umfang- reiche Werk des Architekten Karl Schwanzer (1918–1975) ebenso aus wie die Liebe zum Handwerk und die Wahl der Materialien. Seit Herbst 2018 beherbergt das Wien Museum den Nachlass des Baukünstlers, der wie kaum ein anderer die österreichische Architektur der Nachkriegszeit prägte.

Stefan Oláh hat sich nun auf Spurensuche begeben. Als Architektur- fotograf hält er das Gegenwärtige der Bauten fest, Jahrzehnte nach ihrer Errichtung. Seine Aufnahmen stehen dadurch in einem faszinierenden Verhältnis zu den derzeit im Wien Museum ausgestellten Fotografien von Sigrid Neubert, die drei essenzielle Werke Schwanzers in ihrer Entstehungszeit dokumentieren.

Maik Novotny moderiert das

Gespräch zwischen Stefan Oláh und der Fotohistorikerin Ulrike Matzer.

Dienstag 29.01 um 18:30

Buchpräsentation

WIEN MUSEUM KARLSPLATZ

1040 Wien, Karlsplatz 8

KARL SCHWANZER
SPUREN

Anmeldung erforderlich! Eintritt frei!

Happy Birthday Der Standard!

Der Standard wird 30 und bringt im Geburtstags Spezial „Visionen“ einen Beitrag zu meinem neuen Projekt: Die Benutzeroberfläche der Stadt 

Im Zuge der sich verändernden menschlichen – emotionalen und existentiellen, ökologischen und ökonomischen – Bedürfnisse unterliegt der urbane Raum einem ständigen Wandel. Neue Straßen, Plätze, Gebäude und Geschäfte entstehen, Verkehr und Konsum bahnen sich neue Wege. Nach unseren gemeinsamen Projekten zu den Wiener Tankstellen und Würstelständen sowie der architektonischen Vermittlung von „Aussichten“ werden Stefan Oláh und ich uns als nächstes mit der sich konstant erneuernden „Benutzeroberfläche“ Wiens auseinandersetzen. Nicht zuletzt wird es dabei um die Frage gehen, auf welche Weise der Stadtraum Botschaften übermittelt. Als Benutzer des städtischen Raums sehen wir uns einer Flut an Informationen und Angeboten ausgesetzt, die uns permanent – auch unbewusst – Entscheidungen abverlangen oder nahelegen. Von der Sprache der Architektur über die Zeichen von Mode und Werbung bis zu den Signalen der Verkehrsschilder: Sie alle übermitteln uns „Nachrichten“ – Anweisungen, „nach“ denen wir uns zu „richten“ haben. (Sebastian Hackenschmidt)

Der Standard, 30 Jahre

19. Oktober 2018

Im Wiener Partykeller von Verner Panton

Von Wojciech Czaja

Im Keller eines unscheinbaren Einfamilienhauses am Stadtrand von Wien existiert der aufregendste und letzte noch erhaltene Partykeller des dänischen Ausnahmedesigners. Anlässlich des 20. Todestags sind wir in die unterirdischen Gefilde hinabgestiegen Violette Stoffwand, knallorange Schiebetür, links neben der kreisrunden Öffnung plötzlich ein kleiner, roter Schalter, dessen kreischender Einladung, gedrückt zu werden, man in keinster Weise widerstehen kann. Mit einem elektrischen Wrummm schließlich öffnet sich der Zugang zu einem samtig weichen, zentimeterdick gepolsterten Flower-Power-Paradies in Pink und Rot und Lila. Schritt für Schritt wird man in einen niemals endenden Farbenrausch hineingesaugt, der die kühnsten Haschischfantasien um tausend Regenbögen übertrifft. … Die Fotos aus der Wohnhöhle stammen vom Wiener Fotografen Stefan Oláh und sind ein Exklusivvorabdruck seines Buches „Architektur in Österreich. 1970 bis 1980. Fotografien von Stefan Oláh“, das im kommenden Frühjahr erscheinen wird.

 

Der Standard (RONDO) vom 22. September 2018

POST OTTO WAGNER

Anlässlich des 100. Todesjahres des Architekten Otto Wagner (1841–1918) untersucht die MAK-Ausstellung POST OTTO WAGNER. Von der Postsparkasse zur Postmoderne dessen Wirkung als „Vater der Moderne“ und zeigt den Kontext und die Wechselwirkungen zwischen Wagner und anderen Protagonisten der frühen Moderne ebenso auf wie den Einfluss seines epochalen Werkes auf Zeitgenossen, SchülerInnen sowie nachfolgende Generationen von ArchitektInnen und DesignerInnen. Ausgehend von den wichtigsten Werken Wagners – etwa die Bauten für die Wiener Stadtbahn (1894–1900), die Donaukanalregulierung (ab 1894), die k. k. Österreichische Post- sparkasse (1903–1910) und die Kirche St. Leopold am Steinhof (1902–1904), wie auch Wohn- und Geschäftshäuser sowie seine Studie Die Großstadt (1911) – werden Themenbereiche dargestellt, in denen sich Wagners nachhaltige Wirkung auf die Architektur der Moderne bis hin zur Postmoderne und zur Gegenwart anschaulich nachvollziehen lassen.

POST OTTO WAGNER
Von der Postsparkasse zur Postmoderne
Kurator: Sebastian Hackenschmidt
MI, 30.05.2018–SO, 30.09.2018
MAK-AUSSTELLUNGSHALLE

Sechsundzwanzig Wiener Tankstellen und andere Architekturen im Visier

Vortrag von Stefan Oláh (Fotograf) mit anschließendem Gespräch mit Walter Moser (Fotokurator, Albertina)

Stefan Oláh, spezialisiert auf Architekturfotografie, gibt einen Einblick in sein Œuvre (Stadtbahnbögen, Würstel- stände, Museumsdepots etc.) und diskutiert im Anschluss mit dem Fotokurator Walter Moser über die Herausforderungen und persönlichen Ansprüche, Architekturen ins Lichtbild zu rücken.

Im Rahmen der Ausstellung findet eine Veranstaltungsreihe mit Andreas Nierhaus, Markus Kristan/Walter Moser und Stefan Oláh/Walter Moser statt.

 

14.06.2018 18:00h

Photoinstitut Bonartes
Seilerstätte 22
1010 Wien
T +43-1-2360293

Aufgrund der beschränkten Plätze bitten wir um Voranmeldung: T. +43-1/236 02 93-40 oder info@bonartes.org.

In die Stadt

In die Stadt – aus der Perspektive von 29 Künstler_innen: Ruth Anderwald + Leonhard Grond, Alfredo Barsuglia, BartolomeyBittmann, Hubert Blanz, Sabine Bitter/Helmut Weber, Catrin Bolt, Mateja Bučar, Gisela Erlacher, Lionel Favre, Andreas Fogarasi, Marlene Hausegger, Heidrun Holzfeind, Sonia Leimer, Ernst Logar, Nika Oblak/Primož Novak, Stefan Oláh/Sebastian Hackenschmidt, Manuela Mark, Gerhard Maurer, Julian Palacz, Isa Rosenberger, Evelin Stermitz, Jochen Traar, Julian Turner, Kay Walkowiak, Malte Wandel, Lois Weinberger, Nicole Weniger, Anna Witt, WochenKlausur

Einladung zur Ausstellungseröffnung | Invitation to the opening Mittwoch,
7. Februar 2018, 19.00 | Wednesday, 7 February 2018, 7 p.m.

Begrüßung | Welcome address
Erika Napetschnig, Unterabteilungsleitung Kunst und Kultur Deputy Head of Department of Arts and Culture

Zur Ausstellung | On the exhibition
Christine Haupt-Stummer und Andreas Krištof, Kurator_innen section.a Curators section.a
Christine Wetzlinger-Grundnig, Direktorin MMKK und Kuratorin Director MMKK and curator

Ausstellungen | Exhibitions
8. Februar bis 20. Mai 2018 | 8 February to 20 May 2018

Museum Moderner Kunst Kärnten,
Burggasse 8, 9021 Klagenfurt am Wörthersee, Austria
Di–So 10–18 Uhr · Do 10–20 Uhr | Tue–Sun 10 a.m.–6 p.m. · Thu 10 a.m.–8 p.m.

Wiener Stadttopografie: Stefan Oláhs neue Ansichten zur Aussicht

Die Stadt, eines der reizvollsten Felder für die Psychogeografie. Vor allem, weil sie so dicht an Reizen ist: Alles, was uns umgibt, ob gebaut oder schon immer da gewesen, lässt uns reagieren. Mit Gefühlen oder Verhaltensweisen. Nach oben schauen, das macht den Betrachter selbst klein, architektonisch ausdrücklich gewünscht in Gebäuden wie etwa Kathedralen. Nach unten schauen, das macht den Menschen groß. Kombiniert mit Weit-in-die-Ferne-Schauen schleicht sogar ein lustvolles Gefühl durch den Betrachter. Noch so eine Psychologie, die Evolutionspsychologie nämlich, erklärt, warum: In der Savanne, wo der Mensch zu jenem Menschen wurde, der heute hauptsächlich in Städten lebt, war guter Überblick eine Überlebensfrage. In Zeiten, in denen man eher in Stockbetten als auf Bäume klettert, sind oben noch immer die besten Plätze. Auch in den Häusern Wiens sind die Dachquadratmeter die begehrtesten, die teuersten. Von oben auf die Stadt schauen, das war lang Privileg, baulich manifestiert in Adelsarchitektur à la Gloriette oder Belvedere. Dann wurde das In-die-Ferne-Schauen im urbanen Raum zum Allgemeingut, als der Ausflug auf den Kahlenberg zum Teil der Freizeitkultur wurde. Und heute wird die Aussicht beinahe wieder zum Privileg, das man sich mit einer Dachgeschoßwohnung oder zumindest mit einem Cocktail in der Rooftop-Bar erkaufen muss.

Blickwinkel. Wien ist eine Aussichtsstadt. Und eine Metropole der Blickbeziehungen. Zahlreiche Beispiele der Vedutenmalerei und später der Stadtfoto- grafie bezeugen das. Und jetzt auch ein Buch, das im Anton-Pustet-Verlag er- schienen ist, nach einer Idee von Sebastian Hackenschmidt. Ein Konzept, das sich von einer Grundthese aus entfaltet, wie Hackenschmidt schreibt: „Aussichten werden architektonisch vermittelt.“ Und dieser Ansicht zur Aussicht näherte sich Stefan Oláh für das Buch „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“ fotografisch eben genau 36 Mal.

Schon die Topografie Wiens begünstigt das Hinauf- und Hinunter- schauen. Und noch dazu erheben sich in der Stadt und ihrer Umgebung eine Vielzahl an Architekturen, die Ausblicke versprechen. Manche dieser Bauwerke sind dezidiert dem Schauen gewidmet. Wie die Jubiläumswarte auf dem Gallitzinberg im Wienerwald etwa. Andere, wie der Wasserturm in Favoriten, immerhin 67 Meter hoch, dienten anderen Zwecken. Als Knotenpunkt des öster- reichischen Richtfunknetzes beispiels- weise, wie der nicht öffentlich zugängliche Turm im Arsenal, 155 Meter hoch. Infrastrukturbauten, Investorenarchitektur, sakrale Baukunst – Fotograf Stefan Oláh richtet den fotografischen Blick zunächst auf das Bauwerk, das den Ausblick ver- spricht. Um danach den Blick zurück auf die Stadt zu werfen.
Etwa vom Uhrturm im Gänsehäufel, mit seiner Aussichtsplattform in 21 Metern Höhe. Oder vom Südturm des Stephans- doms, aus einer Höhe von 120 Metern senkrecht auf das geografische Zentrum der Stadt. Die Perspektiven-Zwillinge generieren eine individuelle Stadtwahr- nehmung, die sich nun in Buchform den Stadtbewohnern, die davon selbst meist ausgeschlossen sind, eröffnet. Sebastian Hackenschmidt zitiert dazu Friedrich Achleitner: „In Wien ist die Unsitte eingerissen, dass zwar die Ansicht eines Hochhauses selbstverständlich auf die Kosten des kollektiven Stadtbildes geht, aber der Nutzen der neuen Stadtwahrnehmung, die Gunst des Standortes, die Aussicht, radikal privatisiert ist.“

IS MA WUARSCHT

Sie sind integraler Bestandteil der kulinarischen Landschaft Wiens und trotz ihrer anonymen Architektur prägende Ikonen des Stadtbildes: die Wiener Würstelstände. Innerhalb der ubiquitären Transiträume inszenieren sie sich als topografische Besonderheiten, die sich dem Lauf der Zeit vollkommen zu entziehen scheinen. Heimat Wien lud dazu ein, Würstelstände unter Berücksichtigung der architektonischen, kulturellen und sozialen Entwicklungen der letzten Jahre neu zu denken. Eine Juryauswahl der ent-standenen Arbeiten ist nun in Form der Ausstellung IS MA WUARSCHT zu sehen.

VIENNA DESIGN WEEK und Programmpartner
Heimat Wien – Agentur für Veränderung

IS MA WUARSCHT: WIENER WÜRSTELSTÄNDE NEU GEDACHT

Fr 29.09.–So 8.10.2017
Cocktail 02.10.2017 19:30 Uhr

Stefan Oláh zeigt sechsunddreißig neue Wiener Aussichten

bz/Andreas Edler:
Drei Jahre hat er daran gearbeitet, jetzt präsentierte der Fotograf Stefan Oláh seinen Bildband „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“. Ein Streifzug durch das all- tägliche Wien.

WIEN. Stefan Oláh ist ein Fotograf der alten Schule. Wo andere mit der Digital- kamera auftauchen, stellt der 45-Jährige die Fachkamera auf – Großformat sei schließlich immer noch ein Garant für Qualität. Und die Große ist gerade noch
so klein, dass Oláh sie mit der Vespa transportieren kann.

Warum das wichtig ist? Bevor ein Bild im Kasten ist, fährt Stefan Oláh 25- bis 30-mal zum Aufnahmeort. Er ist geduldig. Schließlich müssen alle Details passen. Seine Bilder leben vom richtigen Moment. Ein Mann mit gelber Jacke blickt auf Schönbrunn. Kein Zufall. „Ich habe so lange gewartet, bis jemand mit dem richtigen Outfit ins Bild gepasst hat“, sagt Oláh. Drei Jahre lang hat der Wiedner an dem nun erschienenen Bildband gearbeitet.

Charme des Alltäglichen:

36 Wiener Aussichten sind es geworden. Detaillierte Blicke auf die Stadt, die alle auf „langjährigen Beobachtungen“ basieren. Der 45-Jährige fotografiert keine klassischen Postkartenmotive. Es ist der Charme des Alltäglichen, der Stefan Oláh fasziniert. Unter den Motiven ist das Rathaus mit dem Zirkus Roncalli davor. Auch hier habe der Fotograf auf den Zirkus gewartet. Einerseits stehe das Bild symbolisch für den politischen Zirkus. Andererseits sei der Rathausplatz fast nie leer.

Dabei ist jede Ansicht ein Schuss und ein Gegenschuss – heißt: die Ansicht auf die Aussicht von unten und die Aussicht von oben. Von oben hat man immer mehrere Aussichtspunkte im Blick – auch das ist gewollt. Ein Bildpaar zeigt das Herren- gassen Hochhaus im 1. Bezirk. „Das wurde unter der Bedingung errichtet, dass man es vom 1. Bezirk aus an keinem Punkt sehen kann“, sagt der Fotograf. Deswegen suchte er akribisch nach einem Fleck im Ersten, wo man das Hochhaus vielleicht doch sehen könnte. Und siehe da: Tritt man aus dem Portal der Kirche Am Hof und blickt noch
vor dem ersten Schritt nach draußen nach oben, erhält man die vielleicht einzige Ansicht des Turms.

Unbekannte Blicke:

Während seiner detaillierten Beobachtungen hätten sich auch andere, scheinbar unbekannte, Blicke ergeben. Oder hätten Sie gewusst, dass die Müllverbrennung in der Spittelau ganz genau in der Achse der Prater Hauptallee liegt? Eben. Um das zu sehen, muss man sich schon in den obersten Stock des Lusthauses bemühen. So wie Stefan Oláh mit seiner Fachkamera.

Zur Sache:
Der Bildband „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“ von Stefan Oláh und Sebastian Hackenschmidt (Hrsg.) ist im Verlag Anton Pustet erschienen. Die insgesamt 72 Fotografien von berühmten und weniger berühmten Wiener Aussichtsplätzen werden mit einem Gedicht von Friederike Mayröcker eröffnet. Online sowie im Fachhandel ist das Buch mit der ISBN 978-3-7025-0866-1 erhältlich. Mehr Bücher und Werke vom Fotografen gibt es auf www.olah.at

Dank an Andreas Edler von der Wiener Bezirkszeitung! (Foto: Manfred Werner)

Von oben herab

neues deutschland schreibt über die „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“:
… Das Konzept, neben den 36 Panorama-bildern immer auch den jeweiligen Aus-sichtspunkt fotografisch festzuhalten, ist also nicht nur von architektonischem Interesse, es hat auch einen weltanschaulichen Gehalt. …

Wo ist Wien am schönsten ?

von Helga Maria Wolf (Austria Forum):

In den 1980er Jahren kursierte ein böser Witz: „Wo ist Wien am schönsten ? “ – „Am Dach des Neuen AKH “ – „???“ – „Da sieht man es nicht !“ Eine Generation später ist das Spital mit seinen 22-stöckigen Bettentürmen nicht das einzige „Grusel- haus“ (so damals der „Spiegel“) in Wien. Noch höhere Wolkenkratzer haben die innerstädtische Skyline verändert, manche bereichernd, manche störend.

Der Kunsthistoriker und MAK-Kustos Sebastian Hackenschmidt schreibt einleit- end zu seinem neuen, gemeinsam mit dem Fotografen Stefan Oláh geschaffenen Werk, die Frage, ob Wien Wolkenkratzer brauche, sei falsch gestellt. „Vielmehr gälte es zu fragen, welche Hochhäuser Wien haben sollte, wie sie sinnvoller Weise zu platzieren wären und wie und von wem sie genutzt werden könnten. Fragen, auf die die ‚Macht des Faktischen – also die in den letzten Jahren errichtete Bausubstanz – wohl kaum die bestmögliche Antwort gibt.“ Bilder und Texte beschönigen nichts. Häufig zitiert der Autor Friedrich Achleitner, einen der wichtigsten Kritiker und Chronisten der österreichischen Architektur. Er plädiert für „höchste stadträumliche Sensibilität.“

Das Buch „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“ basiert auf der Idee von Schuss und Gegenschuss: Gezeigt werden jeweils das Bauwerk, das einen Aussichtspunkt markiert, sowie die sich von dort bietende Perspektive auf die Stadtlandschaft. Mit dem barocken Blick haben sie nur selten zu tun. Im Barock wurden die Bauwerke, die das Schauen als Erlebnis inszenierten, „Belvedere“ oder „Bellevue“ genannt: Von hier aus ließ sich der Blick in die Landschaft vortrefflich genießen. Zugleich waren sie selbst Attraktionen, in denen sich die „schöne Aussicht“ architektonisch manifestierte. In dem Prachtband finden sich solche als „Sehenswürdigkeiten“ etablierte Aussichten – wie der jetzt wieder viel zitierte Canaletto-Blick vom Belvedere oder der Blick von der Schönbrunner Gloriette. Berühmt waren und sind auch die Ausblicke vom Stephansturm, Kahlenberg, Cobenzl, Lusthaus im Prater, Steinhof, Rathaus … Neue und neueste Perspektiven erschließen sich etwa von Aussichtswarten (Jubiläumswarte, Habsburgwarte, Paulinen- warte, oder dem schon wieder demolierten „Bahnorama“ beim Hauptbahnhof), Dach- terrassen und Restaurants (Haas-Haus, Donau-City-Tower, Justizpalast, Millenium-Tower, Sofitel, Hochhaus in der Herren- gasse, ÖBB-Zentrale, Ibis-Hotel, Haus des Meeres, Wohnpark Alt-Erlaa, Lassalle-Hof, Donauturm …) szenischen Brücken (im Stadtpark, Steinitzsteg … ) oder der Höhenstraße. Höhepunkt und Abschluss bildet die Aussicht vom Skyspace in Pötzleinsdorf. In der MAK-Außenstelle Geymüller-Schlössel hat ein Kunstwerk von James Turell seinen Aufstellungsort gefunden. Die Aussicht von „The Other Horizon“ zeigt den Himmel, „wechselweise als monochrome Bildfläche oder als Farbraum unbestimmter Tiefe.“

Dies trifft sich mit den vorange- stellten Erinnerungen von Friederike Mayröcker, die als 17-Jährige durch die Aussicht vom Leopoldsberg tief berührt war: „… dieser Blick auf die Stadt: diese Sonne, wie sie scheint und royal scheint, also oben …“ Der „Berliner Mediendarling“ („Die Zeit“) Friedrich Liechtenstein steuert den Text „Elevation“ bei, der Philosoph Walter Seitter schreibt über „Ansicht, Aussicht“. Die Kunst- und Kulturhistorikerin Sabine Lata bringt einen informativen Überblick zu „Wien in alten Ansichten“. Der Architekt und Fotohistoriker Harald R. Stühlinger erläutert einprägsam die „Topographische Fotografie in Wien.“

Jeder „Aussicht“ ist ein Text in deutscher und englischer Sprache von Sebastian Hackenschmidt vorangestellt. Dann zeigt ein stilisierter Plan die Lage des Aussichtspunktes und die Richtung des Panoramas, ehe das großartige und großformatige (Buchformat: 29 x 29 cm) Bilderpaar seine Aussagekraft entfaltet. Auf der Schauseite, nahezu formatfüllend breit die Aussicht, links, fast quadratisch und mit viel weißem Rand das Gebäude, von dem sie aufgenommen wurde. Dieser „Raum für die Gedanken“ ist nicht die einzige Assoziation zu japanischer Kunst. Sie wirkte auch inspirierend für die Titelwahl des Buches.

Um 1830 schuf Katsuhika Hokusai seine berühmten „36 Ansichten des Berges Fuji“. Drei dieser Farbholzschnitte zeigen Aussichtsplattformen, von denen das Betrachten des heiligen Berges als Ereignis inszeniert wurde. 1902 gab der franz- ösische Künstler Henri Rivière 36 Farblitho- graphien mit Ausblicken vom Eiffelturm heraus. Schon 1785 waren im Verlag Artaria kolorierte Ätzradierungen von Carl Schütz, Johann Ziegler und Laurenz Janscha als erste Folge der „36 Ansichten der Residenzstadt Wien“ erschienend. Die modernen „sechsunddreißig Wiener Ansichten“ stehen in der Tradition dieser Veduten und fügen sich würdig in die Reihe der fotografischen Bildbände des 20. und 21. Jahrhunderts ein. Es „sind die hier versammelten Aufnahmen keine subjektiven, expressiven oder künstlerisch-experimentellen Fotografien, sondern sachlich-nüchterne Bestandsaufnahmen von urbanen Situationen“, die Einblick in die politische Stadtlandschaft Wiens zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ geben

Dank an Helga Maria Wolf (Austria Forum)

Sechsunddreißig Wiener Aussichten

Unser Blick auf und in die Landschaft wird zumeist durch eigens für diesen Zweck entworfene Bauwerke gelenkt, die von Aussichtswarten und Panoramaplattformen über die Dachterrassen von Hochhäusern und die Drehrestaurants von Fernsehtürmen bis zu den Ausbuchtungen szenischer Brücken und Autostraßen reichen. Im Barock wurden die Bauwerke, die das Schauen als Erlebnis inszenierten, „Belvedere“ oder „Bellevue“ genannt: Von hier aus ließ sich der Blick in die Landschaft vortrefflich genießen. Zugleich waren sie selbst Attraktionen, in denen sich die „schöne Aussicht“ architektonisch manifestierte.

Das Buch „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“ basiert auf der Idee von Schuss und Gegenschuss: Gezeigt werden jeweils das Bauwerk, das einen Aussichtspunkt markiert, sowie die sich von dort bietende Perspektive auf die Stadtlandschaft Wiens. Aus diesem einfachen Konzept resultieren sechsunddreißig spannungsreiche Gegenüberstellungen von Architektur-Ansichten und Stadt-Aussichten, auch ein vielseitiger Überblick, der über das gewohnte „Bild“ der Stadt Wien hinausgeht. Neben einigen schon lange als „Sehenswürdigkeiten“ etablierten Aussichten – etwa dem sogenannten Canaletto-Blick vom Belvedere oder dem Ausblick von der Gloriette im Park von Schönbrunn – werden dabei vor allem neue Perspektiven gezeigt.

Mit Textbeiträgen von
Sebastian Hackenschmidt, Sabine Lata, Friedrich Liechtenstein, Friederike Mayröcker, Walter Seitter und Harald Stühlinger

Buchgestaltung: Willi Schmid

Buchpräsentation am 17. September 2017 um 15:00 Uhr im Wien Museum

ISBN 978-3-7025-0866-1

Wien von oben

Die Stadt auf einen Blick –
Wie können wir Wien als Ganzes fassen? Der Versuch, der immer größer werdenden Stadt visuell beizukommen, fasziniert seit Jahrhunderten – ob in Form von klassischen Panoramen, Vogelschauen oder Plänen. Doch diese befinden sich stets im Span-nungsfeld zwischen Vollständigkeits-anspruch und Fragmentierung, zwischen Sichtbarmachung und Verdecken, zwischen Orientierung und Kontrolle. Sie bilden nie das „reale“ Territorium zur Gänze ab, sondern sind auch Modell, Bild oder Vision der Stadt.

In der Ausstellung werden nicht nur einige der ältesten, größten oder berühmt-esten Pläne, Panoramen und  Modelle Wiens gezeigt, sondern ebenso seltene themat-ische Karten oder künstlerische Zugänge und Designprodukte bis hin zu gegen-wärtigen partizipativen Bestrebungen, „Mapping the City“ auf die Bedürfnisse minderprivilegierter Gruppen anzuwenden. Außerdem werden traditionsreiche, aber auch neue Aussichts­punkte der Stadt exemplarisch beleuchtet – von Stephans-turm und Kahlenberg bis hin zum heutigen Hochhaus. Zu sehen sind u.a. sechs Bild-paare aus der Serie „Sechsunddreißig Wiener Aussichten“. Die Ausstellung soll BesucherInnen ermun­tern, die Stadt mit anderen Augen zu sehen und sich auch aktiv in deren Darstellung einzubringen.

Kurator/in:
Sándor Békési, Elke Doppler

WIEN MUSEUM

WIEN VON OBEN.
DIE STADT AUF EINEN BLICK

23. März 2017 bis 17. September 2017

DIENSTAG BIS SONNTAG & FEIERTAG,
10 BIS 18 UHR